Landseer-im-Web.de

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Holger Neeb, WebMaster "landseer-im-web.de"

Re: Meine Hündin reitet auf meinen Rüden auf

von HolgerN
geschrieben am 18.Jan '04 um 11:31
als Antwort auf Re: Meine Hündin reitet auf meinen Rüden auf von Marc
Hallo Marc,

über Deine Antwort habe ich mich nun wirklich gefreut, zeigt sie doch, dass meine Seiten zumindest einen Leser haben ....

Zur Sache selbst haben wir offensichtlich zwei unterschiedliche Auffassungen. Leider kann ich keine neuen Argumente zur Untermauerung meiner Meinung ins Feld führen (aber ich arbeite dran), sondern müsste jetzt das bereits geschrieben wiederholen - was dann auch nicht weiterführt.

Auf zwei Deiner Punkte möchte ich aber dennoch eingehen: Du schreibst:
> Das Aufreiten ist - meiner Meinung nach - viel komplexer, als dass man es allein mit Dominanz ausreichend umrissen hätte.
:
Naturgemäß sind wohl alle Verhaltensweisen zu komplex, als dass sie sich mit einem einzigen Begriff beschreiben lassen. Hier muss ich Dir recht geben. Aber bei solchen Diskussionen, die eben wegen der Komplexität des Themas immer etwas simplifizerend geführt werden, scheint es mir legitim und auch notwendig zu sein, so etwas wie die 'Hauptmerkmale' herauszustellen. Und dies erscheint mir - und jetzt wiederhole ich mich doch - beim Aufreiten das Dominieren des anderen Hund zu sein.

Desweiteren schreibt Du:
> Das Aufreiten, wie du es beschreibst, und jetzt mehr noch, der Mangel an Beschwichtigungsmöglichkeiten, sind meiner Ansicht nach eine zu simple und zudem vermenschlichte Darstellung der Dinge.

und

> Wir lachen immer wieder über die vielen Tricks, mit denen sich der eine oder andere unserer "Freunde" des Aufreitens entzieht.

Etwas provokativ möchte ich dann einfach 'mal die Frage in den Raum stellen, ob Du Dir sicher bist, dass hier nicht ein Verhalten vermenschlicht und etwas als Spiel interpretiert wird, was u.U. überhaupt keines ist? Vielleicht stellt in Wirklichkeit den völlig unspielerischen Versuch dar, dieser starken Geste der Dominanz zu entgehen?

Viele Grüße aus dem heute naßkalten Odenwald
Holger mit Danessa & Chewbacca


PS.: Noch ein Link zum Thema Dominanz: Kennst Du die Seiten von Spaß mit Hund und deren Texte zur "Dominanz "(dort zunächst "Mehr Wissen" und dann "Die Sache mit der Dominanz" anklicken)? Die folgenden Passage hat mir beim heutigen Lesen besonders gut gefallen:

"..Das Verhalten des Hundes mit dem Verhalten von Wölfen zu vergleichen, ist laut den Coppingers genau so, als würden wir menschliches Verhalten aus dem von Affen ableiten. Wir Menschen sind zwar verwandt mit Affen, aber wir verhalten uns nicht wie Affen und wir denken auch nicht so. Und niemand würde ernsthaft auf die Idee kommen, ständig die Verhaltensweisen von Affen als Erklärungsmuster für menschliches Verhalten heran zu ziehen.

Genau das Gleiche gilt für Hund und Wolf: Der Wolf ist nichts anderes als ein entfernter Cousin des Hundes. Der Wolf spiegelt seine Anpassung an die Wildnis wieder, der Hund seine an das domestizierte Leben. ..."
... diesen Beitrag beantworten
 

Zu 'Re: Meine Hündin reitet auf meinen Rüden auf' von HolgerN liegen bislang die folgenden Antworten vor:

Re: Meine Hündin reitet auf meinen Rüden auf

von Marc
geschrieben am 19.Jan '04 um 10:48

Hallo an alle,

Die Sortierung des Forums, macht es einem nicht einfach, an geeigneter Stelle zu antworten. Allein Holgers Hinweis auf Wölfe und (uns?) Affen, veranlasst mich, hier zu antworten...

Hunde sind keine Wölfe, wie wahr; vor allem aber sind sie keine Affen und so sollten wir Primaten unsere Bewertungszettelchen vorsichtig verteilen. Ein solches Zettelchen ist die Mähr von der Dominanz: dieser ohne jener Hund IST dominant, wie schön. Eine reine Beschreibung, keine Erklärung, dass der gleiche Hund in verändertem Umfeld sehr wohl nicht dominant sein kann. Und vor allem für Martina, die die Frage gestellt hatte kein Lösungsansatz, sofern sie denn ein Problem gehabt hätte.

Das ist ja das erkenntnistheoretische Kreuz, mit diesem Konzept: es erklärt nichts, es lässt keine Vorhersagen zu und vor allem es hat keine Lösungsansätze, ausser vielleicht dem ach so beliebten Umkehrschluss, dass eine etwaige Dominanz des Hundes durch die eigene Dominanz der Meisters gebrochen oder unterbunden werden muss. Alte Militär-denkmuster, die ich leider jeden Sonnatg in meiner Hundeschule erfahren muss. Für alles wird der Hund gebrochen, einmal mehr einmal weniger. Das hat aber nur ganz wenig mit Verhaltensforschung und überhaupt nichts mit Lernen zu tun. Das sind ganz einfach menschliche Moralvorstellungen, im erweiterten Sinne.

Wie war die Frage nochmal? Warum steigt meine Hündin auf? Kräftemessen? Ganz sicher, das tun Hunde immer! Rangordnungsgeplänkel? Warum nicht, das tun Hunde auch immer! Spiel? Ganz bestimmt auch; vor allem zwischen Hunde, die sich gut kennen, eine nicht zu unterschätzende Trainingsvariante "ernster Lagen". Problem? Es könnte eins geben, nur was bliebe der Martina im Familienrudel anderes übrig, als dass die Hundchen das selber aussortieren? Die einzige Alternative wäre der schwere Schritt, die Hunde nur noch getrennt zu halten. Aber warum ein Problem heraufbeschwören? Martinas kleine Hündin wird das grosse Landseerjungchen schon nicht fressen. Rein pragmatisch, bin ich sogar der Meinung, dass es dem Jüngling gut tun wird, ein kleinwenig zurechtgestutzt zu werden. Er wird die Hündin dafür lieben und viel braver sein, als nach der ausgefeiltesten menschlichen Standpauke! Erziehung von Hund zu Hund - Gold wert für uns Menschen.

Dominanz? Meiner Meinung nach einfach ein gratis Zettelchen, das nicht "funktioniert" und schon gar nicht in diesem Kontext.

Aufsteigen lassen bei anderen Hunden? Das hängt davon ab, was man will. Ich gehe Samstags durch die Stadt und will einkaufen, umher flanieren, Fenster kucken. Ich habe einfach keine Lust, dass sich meine beiden mit einem neuen Kumpel "einigen" wollen, wer denn jetzt der Stärkere ist, ganz einfach, weil ich das in dem Moment nicht brauche. Warum sollte ich jetzt unbedingt das Risiko gehen, nach der TA Nummer kramen zu müssen, um die überzeugensten Hundeargumente wieder zusammennähen zu müssen.

Bekomme ich einmal Hundebesuch und es gibt den geringsten Zweifel am konfliktfreien Ablauf, warum sollte ich ein Risiko gehen. Ein solches Risiko kann die relative Zerbrechlichkeit eines Welpen sein oder einfach nur vorhandene Grössenunterschiede. Muss ich mich allerdings über längere Zeit mit einem neuen Hund abgeben, im erweiterten Kreis der Familie z.B., dann ist es sinnvoll, dass sich die Hunde einigen. Da kriegt der Zwerg halt ein paar blaue Flecken oder der Welpe wird hier und da zurechtgestutzt. Aber auch hier gibt es Grenzen, wie die Tatsache, dass zwei Hündinnen sich auf einen Vernichtungskampf "einigen" könnten.

Vor allem aber hat das alles mit dem Aufsteigen an sich nichts zu tun, sondern mit der Tatsache, ein Hund zu sein und inwiefern ich vom Hund ein gewünschtes Verhalten/Zusammenleben brauche.

Im Moment dominiert hier der Schnee. Werde mich wohl oder übel unterwerfen müssen...

LG,
Marc

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